Unter dem Motto "Mitwinzern & weinspitzen – der Berg ruft", starteten die Weinfreunde des Projekts "Erlebnis Weinberg", dem Weinseminar der besonderen Art und dem Produzenten von edlen Tropfen der Marke MA(e)INWEIN, in Iphofen in ihr neuntes Weinjahr.

Wer den Auftakt versäumte, kann aber immer noch in das Projekt einsteigen: zur Triebkorrektur im Mai, bei der Menge und Güte der Trauben bestimmt wird.

Mit dem Weingut Emmerich hat sich Projektinitiator Walter Moßner einmal mehr einen Weinmacher aus der Topriege der fränkischen Winzer ins Boot geholt. Bereits in der fünften Generation betreibt die Winzerfamilie naturnahen Weinbau, produziert hochwertige Weine, achtet und erhält den Lebensraum Weinberg, wie z. B. in der Lage Seinsheimer Hohenbühl einen Silvaner-"Wengert", der um 1900 gepflanzt wurde.

Heuer widmen sich die Hobbywinzer den Rebsorten Scheurebe und Merlot. Zusätzlich ist ein Jahrgangssekt Scheurebe brut in traditioneller Flaschengärung als Premiumprodukt geplant.

Um zu zeigen, wie eine Projektteilnehmerin, Martina Becker aus Bamberg, den Auftakt des Weinjahres 2014 im Weingut Emmerich empfand, hier ihr Erlebnisbericht:

Bei durchwachsenem Wetter fand sich die Gruppe der Weinliebhaber am Samstag früh erstmalig im Weingut Emmerich in Iphofen ein.
Ca. 40 000 Rebstöcke nennt der Betrieb sein eigen und Bewirtschaftung als auch Vermarktung liegen in der Hand der Familie, in der Eltern, drei Kinder und zukünftige Schwiegersöhne gemeinsam mit anpacken.

Der Tradition folgend wurde der Projektstart durch die lokale Weinprinzessin, die ihrerseits sieben(!) weitere Hoheiten aus der näheren Umgebung zur Seite hatte, und mit einem kühlen Glas Emmerich Sekt eingeläutet.

prinzessinen2014
Zum Begrüßungstext der Prinzessinen

In der informativen Begrüßung lernten wir die bekanntesten Weinlagen Iphofens kennen : Julius Echter, Kalb (abgeleitet von der kahle Berg), Kronsberg und Burgweg.
Aus der Historie des Weinanbaus blieb vor allem die Reblausplage 1905 im Gedächtnis, der praktisch der gesamte Rebenbestand der Gegend zum Opfer fiel. Erst 14 Jahre später gelang es durch Aufpfropfen einer resistenteren Rebensorte, den Weinbau wieder zum Leben zu erwecken.

Danach ging es zur praktischen Arbeit in die Lage Iphofer Kalb an der Scheurebe.
Nach gründlicher Einweisung durch Vater und Sohn Emmerich begannen wir trotzdem recht zögerlich mit dem Rückschritt der Reben. Es hat schon etwas destruktives an sich wenn man eine Pflanze auf ca. 20% ihrer Größe reduziert und dabei gerade erste gelernte Regeln einhalten soll: möglichst nur einen ausgeprägten Trieb aus dem Vorjahr übriglassen, der möglichst weit unten aus dem Stock kommt und der dabei aber auf einem zweijährigen Trieb sitzt, puh!
Und diesen Trieb dann ca. zwischen dem 6. und 8. Auge kappen. Falls so eine Kombination nicht gefunden wurde, gab es noch den Zapfenschnitt, d.h. alle letztjährigen Triebe, die nach oben gehen, wurden unter dem ersten Auge gekappt.

Beim Anbinden v.a. der dickeren Triebe musste man auch gehörig mutig sein, denn teilweise brachen sie an beim Umbiegen Richtung hangabwärts (um optimal Saftfluß zu gewährleisten).

faesser

Reichlich unterkühlt ging es nun zurück zum Familienbetrieb zu einer herzhaften Brotzeit, zu der Rivaner und Rotling verkostet wurden.

In der nachfolgenden Besichtigung der Keller konnten wir Fässer aus Iphofener Eiche bestaunen, die für die Rotweinlagerung verwendet werden. Aber auch amerikanische und französische Fässer mit ausgeprägter Vanillenote kommen zum Einsatz für Domina und Portugieser. Eine Besonderheit des Weinguts ist die Herstellung von Merlot, in Franken ansonsten (noch?) unüblich.

Die Kellerbesichtigung wurde durch ein Glas Scheurebe Kabinett trocken der Lage Julius Echter abgeschlossen, die Begeisterung auslöste, so fruchtig schmeckte sie! Und warum? Die Gipskeuperböden der Gegend bieten die perfekt Grundlage für diese Rebsorte erklärte uns der Winzer.

Kaffee und Kuchen mit Weinfachsimpelei rundeten den fröhlichen Tag ab. Nach einem letzten Blick auf den Kronsberg, dessen Namen abgeleitet ist von der Krone aus Bäumen, die auf seiner Spitze sitzen, ging es nach Hause in freudiger Erwartung des nächsten Projekttermins!

Text: M. Becker

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