Am heutigen Projekttag verließen wir die Weingegend um Iphofen, um im Mittelfränkischen Seinsheim zuerst eine Rarität zu besichtigen. In der Lage Hohenbühl befindet sich ein kleiner Weinberg, nur ca. 0,2 ha, im Besitz der Familie Emmerich, mit ca. 100 Jahr alten Silvaner Weinstöcken. Zusätzlich sind auch noch ein Paar Riesling Reben, eine Muskateller Rebe und ein Elbling versteckt. Diese Anordnung nennt man Alter Satz, oder auch Gemischter Satz, sie verspricht mehr Geschmacksnoten im Wein als eine reinrassige Bepflanzung.

springwurm

Hier durften wir uns nun in Stockpflege üben, eine recht einfache Angelegenheit, einfach alle Triebe entlang des Stamms bis zum ersten Befestigungsdraht entfernen.

Es war nicht viel zu tun, umso mehr fielen die vielen Tierchen auf, die dabei zum Vorschein kamen. Am nettesten fanden wir den Springwurm, ein 2-3 cm langes grünes Gewürm, mit dunklem Kopf, der doch tatsächlich heftig herum hüpfte. Wegen dem von ihm verursachten Lochfrass wird er aber zu den Schädlingen gezählt! Gleich daneben war sein Erzfeind zu finden, eine Spinne mit Gelege, die zu den Nützlingen gehörte.

Zur Belohnung gab es dann mitten im Weinberg den 2012 Wein zum Kosten, eine Spätlese Kabinett trocken, ein herrlicher Tropfen mit vielen Geschmacksnoten, die deutlich über einen einfachen Silvaner hinausgingen!

In diesem Mai 2014 waren die Pflanzen nur mehr 2 Wochen dem typischen langjährigen Mittel voraus. An unserem ersten Termin im März 2014 waren das noch fast 4 Wochen gewesen. Die kalte Witterung der letzten Wochen war dem Wachstum nicht sehr förderlich gewesen, allerdings gab es kaum Frostschäden, auch gut! Die Gescheine waren schon deutlich zu sehen, die Blüte wird ca. in 2 Wochen erwartet.

brotzeit

Ebenfalls in der Lage Hohenbühl befindet sich der zweite Weinberg, den wir heute bearbeiten durften, mit Merlot. Hier musste etwas mehr Hand angelegt werden. Wir mussten Doppeltriebe aus einem Auge finden und dann den schwächeren Trieb entfernen. Zusätzlich sollten wir auch noch Kümmertriebe entlang des Haupttriebes ausputzen. Das sind Triebe, die im Vergleich mit anderen nur wenig entwickelt sind und nur Saft und Kraft von den gut entwickelten ablenken, weg damit!
Am Merlot waren auch etliche Schildläuse zu finden, gegen die aber heute kaum noch etwas unternommen wird.

Der Abschluss unseres heutigen Arbeitseinsatzes war wieder dem Verkosten gewidmet. Diesmal gab es aber nicht den Merlot vom letzten Jahr, sondern von 2009! Winzer Emmerich verkauft aus Prinzip nur Merlots frühestens 2 Jahre nach der Ernte. Vom Geschmack her sind sie dann deutlich milder, weniger Tanin ist enthalten und die Kunden sind zufriedener.

Damit auch der Hunger, der uns nun alle quälte, gestillt wurde, klang der Tag mit einem gemütlichen Essen in der Paradiesscheune aus, die gleich um die Ecke war und dazu einen herrlichen Ausblick bot.

Text: M. Becker

iphofen-zweite

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