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Das hochinteressante, von Walter Mosner erdachte und ins Leben berufene Projekt „Erlebnis Weinberg“, von dem die NZ regelmäßig berichtet, geht nun schon ins 10.Jahr und erfreut sich anhaltender Beliebtheit.
Zu diesem Anlaß feierten die Weinfreunde im Ruderverein Nürnberg bei großer Beteiligung, am 18.9.2015 ein launiges Grillfest mit Lifemusik.

Am 2.10.2015 traf sich der Kreis der Weinbrüder und Schwestern in Iphofen zur lange herbeigesehnten Weinlese.
Am Schwanberg von dem die Lage „Iphofer Kronsberg“ stammt fand sich, unter fachkundiger Anleitung des Premiumumwinzers Werner Emmerich eine doch beachtliche Anzahl von ca.20 Helfern ein: die Projektteilnehmer „Erlebnis Weinberg, Familie im weiteren Sinne, Freunde und osteuropäische Erntehelfer.
Dies Gebiet war übrigens früher ein ehemaliges Trüffelexportgebiet, was allerdings längst der Vergangenheit angehört-leider.

Ein kurzer Teil Theorie eröffnete das Treffen am Vormittag in der Steillage: Mit dem Refraktometer, einem visuellen Oechsle Grad Messgerät wurde für die zunächst zu lesenden Kerner Trauben ein Oechsle Grad von 85 Grad gemessen, ein mehr als zufriedenstellendes Ergebnis.

Schließlich war der Weinsommer 2015 ein Sommer mit langen Hitzephasen bei extrem hohen Temperaturen. Im Gegensatz zu anderen Winzerkollegen hatte sich die Familie Emmerich entschieden die Weinberge nicht mit automatischen Wasserberieselungsanlagen zu gießen; das Ergebnis waren etwas kleinere Trauben von exzellenter Qualität und vor allem nicht vielfach aufgeplatzt, wie bei Trauben benachbarter, beregneter Weinhänge.

Die große Trockenheit zwang die Winzer auch verstärkt gegen „tierische Mitesser“ im Weinberg zu kämpfen, insbesondere Rehe, Wildschweine und Feldmäuse. Nachdem ein physischer Verbißschutz wie im Forst hier, aufgrund des Wuchses der Rebstöcke nicht in Betracht kam und auch chemische Stoffe zur Abschreckung der Tiere nicht in Betracht gezogen werden konnten- die Reben würden die Geschmacksstoffe annehmen- half nur ein gewaltig langer, oberhalb und unterhalb des Weinbergs zu errichtender Schutzzaun. Staatliche Entschädigung für Wildverbiß gibt es, anders als in der konventionellen Landwirtschaft, für Weinbauern nicht.

Weitere zu klärende Fragen vor Beginn der Lese: Was geschieht mit faulen Trauben: Hier gibt es die natürliche Fäule, also ohne Schimmelansatz, sog. „Edelfäule“, diese Trauben können, sofern nicht zu konzentriert, unproblematisch in die Leseeimer wandern, die sodann von den auf gleicher Höhe arbeitenden lesehelfern von Zeile zu Zeile durchgereicht und in die sog.“Butten“ (auf dem Rücken der „Buttenträger befindliche Behältnisse)entleert werden.
Allerdings gehören vertrocknete Beeren ebensowenig in den Leseeimer wie Stroh (zum feuchtigkeitserhaltenden Mulchen in den Zeilen ausgestreut), Blätter und zu lange Stiele.

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Der Buttenträger hat also laufend den beschwerlichen, bis zu 45 Grad steilen Weinberg zu besteigen um seine Butte wiederum in den Lasthänger des Traktors zu entleeren, ein schweißtreibender Job.

Auch die Lesehelfer arbeiteten angestrengt in der Steillage, ein fester Stand für Mensch und vor allem die mit Trauben gefüllten Eimer ist essentiell. So konnte man sich nur in Ruhepausen am Fuß oder oberen Ende der Weinzeilen über den stahlblauen Himmel und die angenehmen Teperaturen, sowie den wunderbaren Fernblick erfreuen.

Pro Zeile arbeiteten Teams von jeweils 2 Lesern jeweils 1 Person auf der Vorder und Rückseite einer Rebenreihe, was auch zwischenmenschliche Kommunikation, im jeweils gewünschten Maße zuließ.
Je höher der Oechslegrad, desdo intensiver kleben die Finger, das störte niemand oder man trug Handschuhe.

Abgerundet wurde der launige, herrliche Tag durch eine Einkehr im Winzerhof Emmerich, für die Nicht Kfzfahrer bei „Bremser“, wie der Federweisse hier heißt, sowie Brotzeit.

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