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„Vom Vögelein zum Ölspiel“
lautet im Jahr 2018 das Motto der Weinfreunde des Projekts Erlebnis Weinberg, dem Weinseminar der besonderen Art und dem Produzenten edler Tropfen der Marke MA(e)INWEIN.

Erlebnis Weinberg wechselt wieder Winzer, Rebsorten, Standort und Landschaft, von der Weininsel in Nordheim an der Mainschleife nach Sommerhausen, dem Tor zu Kunst, Wein und Kultur; das Ambiente hier ist geprägt von Winzern, Bauern und Künstlern; Hauptattraktionen sind das Schloß, das „Torturmtheater“, die Stadtmauer samt Toren, sowie die Stadtpfarrkirche.
Der Winzerhof Artur Steinmann liegt inmitten dieses charmanten Städtchens.

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Die Philosophie des Weinguts Steinmann heißt:
„Gutes erhalten und mehren“

Das Familienweingut Artur Steinmann
Unter dem Motto „Weinmachen als Berufung“ pflegt das Weingut und Hotel im sog. Pastoriushaus seine Weinberge an den Sonnenhängen des Mains (dies Haus, aus dem Jahr 1619 stammend, war nämlich einst Wohnsitz von Franz Daniel Pastorius, dem 1. Deutschen Auswanderer in die USA, der auch die 1. anerkannte Staatsbürgerschaft in USA erhielt.) Artur Steinmann übernahm in 3. Generation den Winzerhof 1982 und baute ihn zu einem anerkannten Weingut aus. Steinmann steht seit 2009 als Präsident an der Spitze des Fränkischen Weibauverbands.

Ende 2015 stellte der Fränkische Weinbauverband den neu gestalteten Bocksbeutel „PS“ vor - kreiert von Designer Peter Schmidt - der die bisherigen Flaschen langfristig ablösen soll. Die flache, bauchige Form blieb erhalten, die Kanten aber wurden eckiger.

Von 15 Mio. Flaschen Wein p.a. im Weinanbaugebiet Mainfranken sind immerhin 10,5 Mio. Bocksbeutel. Seit 1989 ist der Bocksbeutel in der EU geschützt und darf nur noch für fränkische Weine verwendet werden (wenige eng limitierte Ausnahmen: Tauberfranken, Baden, Portugal).

Das Anbaugebiet beträgt 20 ha (von insgesamt 6.200 ha Rebflächen im Weinanbaugebiet Franken, damit ist es das sechstgrößte Weinanbaugebiet Deutschlands.)
Im Weingut Steinmann setzt sich der Ausbau aus ca. 30 % Silvaner, 22 % Müller-Thurgau, 8 % Riesling, 8 % Bacchus, Rest Weißburgunder, Scheurebe, Traminer, 18 % Rotwein (Domina, Spätburgunder, Zweigelt + Dornfelder) zusammen.

Als „Markenwerte“ werden gepflegt und im Marketing betont

  • Kulturreichtum Mainfranken – Keine Region Deutschlands hat so viele Kulturdenkmäler
  • Fest verwurzelt in und mit der Region
  • Passion zum perfekten Produkt (von der Hygiene bis zum Geschmack)
  • Dankbare Nutzung der im „Triaszeitalter“ geformten Böden
    (Trias sogenannt wegen der drei Gesteinsarten Keuper, Muschelkalk und Buntsandstein).

Ablauf des 1. Treffens der Weinfreunde von „Erlebnis Weinberg“ bei Premiumwinzer Artur Steinmann am 10.03.2018

Empfang
1 Glas „Secco“ „Frank&Frei“ Rosé, sog.“Saignée“, Ausstoß ca. 30 000 Flaschen pro Jahr.

„Schön, daß wir alle da sind, und vor allem, daß wir die Hitzeperiode im Februar überlebt haben. Immerhin, auf der Zugspitze wurden 28 Grad gemessen“. So leitete augenzwinkernd Walter Moßner seine Grußworte ein.
Moßner, der Projektinitiator, beschrieb den Ursprung des Projekts, der auf einem 1. Preis zu seinen Gunsten aus einem Marketingwettbewerb zum fränkischen Silvaner basierte. Dank seiner brillianten Idee können seit nunmehr 13 Jahren interessierte Mitbürger bei einer Teilnahme lernen, wie Wein entsteht, mitarbeiten und es hat sich eine vielschichtige und trotzdem sehr homogene Gemeinschaft aller Altersklassen gebildet.

Mit den Weinfreunden vom „Erlebnis Weinberg“ wird sich Artur Steinmann im 13. Jahr des Projekts vor allem auf Burgunder Weine spezialisieren, also

  • Weißer Burgunder
  • Domina (Kreuzung aus Portugieser und Spätburgunder)
  • sowie als Premiumwein einen Blauen Burgunder

Anschließend stellte sich jeder „Anteilseigner“, so kann man die Teilnehmer des Projekts bezeichnen, kurz vor, einschließlich der Fotograf und Internetbeauftragte Helmut Betzold sowie der Chronist und „Schriftwart“ Lutz Herrmann.

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5 anwesende Weinprinzessinnen gaben sich ebenfalls ein Stelldichein mit einer kurzen Vorstellung ihrer Person und Herkunft. Bei hunderten von Winzerdörfern und Städten im Weinanbaugebiet Mainfranken gibt es ca. 80 Weinprinzessinnen.

Artur Steinmann präsentierte sein Weingut zunächst in der Theorie und gab interessante Informationen zum später in der Praxis durchzuführenden Rebschnitt.

Beim Mittagessen im benachbarten Gasthof „Zum goldenen Ochsen“ war die 62. Fränkische Weinkönigin (Wahl der nächsten Weinkönigin am 23.03.2018) anwesend, ebenso beim Beginn des Rebschnitts zum „Fotoshooting“ der „Mainpost“ Würzburg.
Weinkönigin zu sein ist eine anstrengende Mission (400 Veranstaltungen im vergangenen Jahr). Weinkönigin und Weinprinzessinnen sind echte Repräsentanten der jeweiligen Weinregion, eine ernst genommene Mission, geprägt auch durch Benimmregeln, Eloquenz und Stilfragen.

Besichtigung des Winzerhofes
Bevorzugtes Verfahren: „Feinoxidation“, d.h. die gelesenen Trauben werden nach Anlieferung im Winzerhof zunächst nur leicht maschinell geritzt und erst 4-5 Stunden danach gepresst; durch den Zutritt des Sauerstoffs vor dem Pressvorgang wird das Aromenspektrum des zukünftigen Weines erweitert.

Man verwendet Pneumatikpressen, der übliche Pressdruck 0,2 bar, Lagerung der Maische anschließend bei 8 Grad Celsius.

Flaschenabfüllung bis zu 12 000/Tag, 160 000/Jahr

Die Projektmitglieder besichtigen Anlieferzone, Flaschenlager und Pneumatikpressen, bevor man hinunterstieg in die Weinkeller samt „Schatzkammer“. Es gibt mehrere Gewölberäume für

  • Stückfässer (Holzfässer 1.200 l und 600 l Volumen)
  • Barrique Fässer (Eiche 225 l Volumen)
  • Aluminiumfässer (Großvolumig)
  • Die „Schatzkammer“ Kieselboden über Beton, Wände Bimsbeton, Temperatur 10 Grad Celsius: Hier lagern alte Jahrgänge, zurückgehend bis auf 1958, Volumen bis zu 12 000 Flaschen; z.T. Auftragslagerung für gute Kunden.
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Foto: Johannes Kiefer

Die Arbeit im Weinberg „Rebschnitt“
Kaum ist die Lese im Herbst bewältigt beginnt der professionelle Winzer bereits mit dem Rebschnitt.

Rebschnitt bedeutet radikales Entfernen der Triebe des Vorjahres mittels sachkundigen Beschneidens der Rebstöcke („gerade“, horizontale Schnitte am „Hauptstamm“, schräge Schnitte am Ende der Triebe) verbleibend in der Regel 2 Triebe in jede Richtung zu binden, sowie i.d.R. ein „Zapfen“.

Natürlich gibt es verschiedenste „Erziehungsmethoden“, die vom Hause Steinmann praktizierte bringt (in einer „normalen“ Saison) ca. 60 hl auf 1 ha Weinberg oder anders bemessen, ca. 1,5-2 l Wein pro Weinstock.

Der Fachmann erläutert: Warum Rebschnitt: Im Wesentlichen bringt er

  • Ertragssteigerung („Oben viel, unten viel“, bedeutet „oben zu viel Triebe, unten zu viel Kraftverbrauch“) nach dem Motto „Der Weinstock ist auch nur ein Mensch“
  • Qualitätssteigerung
  • Form des Rebstocks
  • Reduzieren des „Kümmerwuchses“

Die Projektmitglieder lernen, vom Premiumwinzer erläutert, über die Charakteristik und Beschaffenheit des „Fruchtholzes“.

Der praktische Teil des Tages findet in einer Steillage von ca. 70 % Neigung statt, an Silvaner Weinstöcken. Auch hier kann vom Traktor unterstützt, „halbautomatisch“, d.h. von menschlicher Arbeitskraft gesteuert und gelenkt, gepflügt, bzw. bei der Lese mit dem Kleintransporthänger eingefahren werden. Die Lese jedoch geschieht per Hand, nur bei gebotener wetterbedingter Eile mit dem Vollernter.

Ein lehrreicher, kurzweiliger, teambildender Tag und das Wetter spielte bis zum Ende der „Außenarbeiten“ mit, zum Abschluß gab’s noch Kaffee und selbstgebackenen Kuchen.

Text: Lutz Herrmann


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